Siri Hustvedts „Blazing World“ und Phillip Toledano

Siri Hustvedt werden die meisten Leser/innen dieses Blogs kennen. Bei Phillip Toledano bin ich mir nicht so sicher. Mir war der sehr gut aussehende Fotograf aus New York bis vor ein paar Tagen noch nicht bekannt. Einige seiner beeindruckenden Bildserien kann man in den Deichtorhallen in Hamburg im Rahmen der 6. Triennale der Photographie sehen.

Am bekanntesten sind davon sicherlich „Days With My Father“ (2006-09) über die letzten Jahre, die Toledano mit seinem an Demenz erkrankten Vater verbracht hat,  „A New Kind of Beauty“ (2008-10) über Menschen, die ihre Körper der plastischen Schönheitschirurgie unterzogen haben sowie „Maybe„(2011-15), in denen er Blicke in die Zukunft wagt, um zu sehen, was das Schicksal für ihn bereithält. Hier gibt es ein atmosphärisches Video zur Ausstellung, die ich nur empfehlen kann: The Day Will Come When Man Falls.

Deichtorhallen, Hamburg. Haus der Photographie. 2015.

Deichtorhallen, Hamburg. Haus der Photographie. 2015.

Es mag am Konzept der Ausstellung liegen, welches als verbindendes Element der Fotoserien Toledanos „Spurensuche nach sich selbst“ erkennt, sodass der biographische Bezug des Werkes einen von Anfang an fast erdrückt. Und das ist jetzt nicht im negativen Sinne gemeint. Mir ist während der Ausstellung aufgefallen, wie sehr mir eine sofort einsetzende Identifikation mit Teilen der Biographie des Künstlers dabei geholfen hat, das Werk mit geschärftem Interesse wahrzunehmen und es auf mich wirken zu lassen. So funktioniere ich. Erkenntnis Nummer Eins.

Es waren vor allem die psychoanalytischen Erläuterungen, die nicht nur Toledano anbietet (z.B. sein Versuch in „Maybe“ Zukunftsängste durch Konfrontation zu exorzieren) sondern auch das Kuratorium (über die gelungene Ausstellungs-App für 3€), ein parallel laufender Film über das Leben des Künstlers oder der Begleittext an den Wänden und Bildern, die bei mir Wirkung zeigten. Meine innere Narzisstin ist vor Freude an die Decke gesprungen.

Die Biographie des Künstlers als Kunstprodukt?

Mich beschlich schon bald das ungute, später faszinierende Gefühl, dass die dem Betrachter zu jeder Bildserie direkt ins Gesicht geriebene Biographie des Künstlers möglicherweise selbst nur ein Kunstprodukt ist. Funktioniert Toledanos Kunst ohne die Bezüge zur Biographie überhaupt? Wäre sie genauso erfolgreich, wäre er ein eher unscheinbarer Mann oder sogar eine Frau? Wird bald die Bombe platzen und Toledano mit der Wahrheit herausrücken? Wird dies dann die letzte Wahrheit sein oder auch nur Teil seiner Konzeptkunst, die das Augenmerk auf die Verknüpfung von Biographie und Kunstwerk legt?

Hier kommt dann Siri Hustvedt ins Spiel. Ihren Roman „The Blazing World“ habe ich vor ein paar Wochen gespannt gelesen, und zwar von Anfang an bis zum Ende, and in English. (Hier geht’s zur Lesung in Hamburg)

Der Roman spielt in der New Yorker Kunstszene und handelt von einer Künstlerin, Harriet Burden, die jahrelang um Aufmerksamkeit und Anerkennung im Kunstbetrieb kämpft, erfolglos, bis sie auf die Idee kommt, drei ihrer Installationsobjekte männlichen Künstlern zuzuschreiben, ihren „Masken“. Und siehe da, es klappt. Die Kunstwelt schlägt Purzelbäume, die drei männlichen „Masken“ werden in den Medien hochgelobt und -stilisiert. Harriet Burdens Experiment hat geklappt und ihre Theorie, dass die Wahrnehmung des künstlerischen Objektes ganz stark von unserer Wahrnehmung des Künstlers geprägt ist, hat sich für sie bestätigt.

All intellectual and artistic endeavours, even jokes, ironies, and parodies, fare better in the mind of the crowd when the crowd knows that somewhere behind the great work or the great spoof it can locate a cock and a pair of balls.

(Lustige Randbemerkung: in amerikanischen Rezensionen wurde das obige Zitat häufig nach „spoof“ abgebrochen undDSCN7999 (2) dann mit „if there is a man“ o.ä. ersetzt. LOL)

Doch was sagt uns das über den Wert der Frau in unserer Gesellschaft? Während der Toledano-Ausstellung fragte ich mich  manchmal, ob nicht seine perfekten Zähne, sein attraktives Äußeres sowie sein imaginiertes cock & balls – Set ausschlaggebend für meine positive Wahrnehmung der Bilder sein könnten. Steckt vielleicht sogar eine Frau, seine Frau, oder Siri Hustvedt hinter den Fotografien? Ist Toledano eine Maske?

Ich möchte jetzt nicht im Einzelnen auf den Inhalt von The Blazing World eingehen. Sehr gut gefallen haben mir die multiplen Erzählperspektiven, die sich um Harriet Burden kreisen und ein schillerndes Bild der Künstlerin ergeben. Der Roman ist keine langweilige Nabelschau einer im Selbstwertgefühl verletzen Ich-Erzählerin. Das wäre auch zu einfach. Er handelt meiner Meinung nach v.a. von einer Frau, die versucht, für sich eine Identität als Künsterlin zu schaffen, durch harte Arbeit, gedanklichen Wagemut, leidenschaftliches Interesse und ein tiefes Verständnis für die Materie, mit der sie sich jeden Tag beschäftigt. Sie ist keine Maske, die hohle Worte um sich wirft zum Zwecke der beeindruckenden Selbstdarstellung und Vermarktung, sondern eine Frau aus Fleisch und Blut, die bis in die letzte Faser von Körper, Geist und Seele, alles für sie Wichtige aufnimmt, verdaut, einordnet, verknüpft und in ihrer Kunst verarbeitet. Bei einem Mann würde man vermutlich sofort den Genie-Begriff aus dem Halfter ziehen.

Für mich war der Roman außerdem ein wichtiger, ergänzender Bestandteil meiner Rezeption der Phillip Toledano Ausstellung, auf den ich nicht verzichten möchte. Mein Blick ist für die Zukunft geschärft worden. Erkenntnis Nummer Zwei.

Beide, Ausstellung sowie Roman, kann ich nur wärmstens empfehlen.

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Foto von Siri Hustvedt: By Smalltown Boy at de.wikipedia [Public domain], via Wikimedia Commons

DIE RABBIT-PENTALOGIE // John Updike – Rabbit, Run (1960)

Was bisher geschah: Lesen Sie bitte hier.

By Hugh1975 (Own work) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)%5D, via Wikimedia Commons

Keine Angst, es ist noch nicht Ostern. Die possierlichen Langohren aus der Familie der Leporidae sind ja seit der ungeschickten Äußerung des Papstes Franziskus zur Fortpflanzungsmoral der Katholiken leider in ein schiefes Licht geraten. Solche Patzer passieren halt, sobald sich die Kirche als selbsternannte Lebensberaterin in die Sexualität und Familienplanung ihrer Schäfchen einmischt.

Der schwache Held Harry „Rabbit“ Angstrom aus John Updikes Roman „Rabbit, Run“ (dt. Hasenherz, 1960) findet sich ebenfalls im Spannungsfeld seiner Sexualität und denen von Kirche und Gesellschaft tradierten Normen der 50er Jahre wieder. Je mehr er sich in seinem durch Ehefrau, Kind und Job fremdbestimmten Leben gefangen fühlt, desto drastischer macht sich sein Sexualtrieb bemerkbar. „He’s chasing ass,“ wie sein Vater treffend bemerkt. Gemeindepfarrer Eccles ist Rabbit ständig auf den Fersen, um den Ehe-Flüchtigen wieder in den Sch0ß der Familie zurückzuholen. Mehr oder weniger erfolgreich. Am Ende des ersten Teils der fünfteiligen Rabbit-Reihe hat Harry Rabbit bereits drei Kinder mit zwei Frauen gezeugt und Mrs Eccles an den Hintern gegrapscht.

Die American Library Association (ALA), ein Interessenverbund zur Förderung von Bibliotheken, hat alle Hände voll zu tun, denn sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, gegen Zensur und Verbot von Büchern, v.a. in den USA, ins Feld zu ziehen. Versuche, anstößiges literarisches Material aus dem Verkehr zu ziehen, feiern in den USA fröhliche Urstände, v.a. in den Schulbibliotheken des Landes. Besorgte Helikoptereltern gibt es nicht nur in Deutschland. An einigen High Schools darf selbst Huckleberry Finn nicht mehr gelesen werden. Rabbit, Run wird in der Rubrik „Classics“ genannt, wegen seiner sexually explicit descriptions und anderer Verwerflichkeiten, die im Laufe der Jahrzehnte den Unmut besorgter Leserinnen und Leser hervorgerufen haben. Er befindet sich damit allerdings in guter Gesellschaft, denn fast der Hälfte aller amerikanischen Literaturklassiker ist es ähnlich ergangen (Banned & Challenged Classics).

Noch vor der ersten Veröffentlichung sah sich Updike gezwungen, Änderungen am Originalmanuskript vorzunehmen.

I received a basically heartening letter from my publisher, Alfred A. Knopf himself, indicating acceptance [of Rabbit, Run] with reservations. The reservations turned out to be (he could tell me this only face to face, so legally touching was the matter) sexually explicit passages that might land us – this was suggested with only a glint of irony – in jail.

… schreibt John Updike in seinem Nachwort zur Neuauflage des Romans. Im Beisein eines Anwalts muss er das Manuskript überarbeiten, dann kann der Roman Ende 1960 erscheinen. „The dirty-word situation was changing rapidly„, und schon 1962 wird er aufgefordert, die Änderungen für eine Neuauflage des Romans wieder rückgängig machen, symptomatisch für die schnellen gesellschaftlichen Umbrüche in den USA zu jener Zeit.

Rabbit Run exists in more forms than any other novel of mine.

„Fellatio“ ist so ein challenging topic im Buch, schambehaftet zwar, der Begriff wird tunlichst nicht in den Mund genommen, aber doch offensichtlich genug.

 „Well, would you do everything to me that you did to him?“

„Sure. If you want me to.“

His relief is boyish; his front teeth flash happily. „Just once,“ he promises, „honest. I’ll never ask you again.“ […] „Are you going to?“

She asks, „Are you sure we’re talking about the same thing?“

„What do you think we’re talking about?“

She says, „Sucking you off.“

„Right,“ he says.

Aber Rabbit, Run ist nicht nur ein Sexroman, wie man jetzt vielleicht denken könnte. Es geht Updike v.a. um den Gemütszustand seines Helden. „An everyman who, like all men, was unique and mortal.“ Rabbit Angstrom verkörpert m.E. die letzten Zuckungen des Patriarchats. Wenn man Menschen nach ihren Taten und nicht ihren Worten, Gefühlen oder dem äußeren Erscheinungsbild beurteilt, dann bleibt einem eigentlich nichts anderes übrig, als Angstrom als erbärmlichen wenn nicht sogar widerlichen Charakter einzustufen. Updike selbst hält sich mit seinem Urteil zurück, er beschreibt, was er sieht.

 He eats three pieces of shoo-fly pie and a crumb in the corner of his lips comes off on her [Ruth’s] sweater when he kisses her breasts goodbye in the kitchen. He leaves her with the dishes.

Oder lässt die Figuren sprechen:

„The truth is,“ Eccles tells him „you’re monstrously selfish. You’re a coward. You don’t care about right or wrong; You worship nothing except your own worst instincts.“

Updike, selbst vierfacher Vater, wollte mit seinem Rabbit nie in einen Topf geworfen werden:

Insofar as a writer can take an external view of his own work, my impression is that the character of Harry „Rabbit“ Angstrom was for me a way in – a ticket to the America all around me. What I saw through Rabbit’s eyes was more worth telling than what I saw through my own.

Der Name „Rabbit“ impliziert für Updike „a zigzagging creature of impulse,“ womit v.a. sein Fluchtinstinkt und damit das nur rudimentär ausgebildete Verantwortungsgefühl gemeint ist.

Updike sollte man, falls möglich, auf Englisch lesen. Warum? Seine Texte baden in jeder Zeile in der Schönheit des treffenden Ausdrucks, wirken fast schon hochsensibel in ihrer detaillierten Beobachtung kleinster Gefühlsregungen, die Beschreibung packt, zeigt keine Ermüdungserscheinungen, und brilliert in der Darstellung selbst der banalsten Dinge oder Personen.

They look at him with hard eyes, eyes like little metal studs pinned into the white faces of young men sitting in zippered jackets in booths three to a girl, the girls with orange hair hanging like wiggly seaweed or loosely bound with gold barrettes like pirate treasure. At the counter middle-aged couples in overcoats bunch their faces forward into the straws of gray ice-cream sodas.

Dafür, dass die Erzählstimme den Protagonisten in die Lage versetzt, seine Umwelt auf solch poetische Weise wahrzunehmen und auch darunter zu leiden, erhält er natürlich einen Sympathiebonus.

Welcher Teufel mich geritten hat, den zweiten Teil der Pentalogie, Rabbit Redux, auf deutsch zu bestellen (Unter dem Astronautenmond) ist mir ein Rätsel, vermutlich der Titel. Aber, was soll’s, die beiden Pulitzerpreisgewinner, Teil 3 und 4, gibt es dann halt wieder in English.

Rabbit, Run lohnt sich als Lektüre auch noch im Jahre 2015. Die Geschlechterverhältnisse wirken zwar ziemlich befremdlich aber niemals unreflektiert. Updike kann sich sehr gut in seine Frauencharaktere hineinversetzen, denen er mehrere Selbstgespräche im Stile von James Joyce widmet. Männer wie Frauen sind bei ihm Opfer tradierter Geschlechterrollen, wobei den Frauen jedoch ihre sexuelle Freiheit nur als Prostituierte vergönnt ist. Eine anständige Frau zu sein heißt in den 50ern, die sexuelle Selbstbestimmung bei der Eheschließung abgegeben zu haben.

Ob es jedoch ein Zeichen von Fortschritt ist und somit Beweis für die Obsoleszenz von Rabbit, Run, wenn heutzutage Frauenzeitschriften der gewissenhaften Frau nebst schmackhaften Kohlgerichten und dekorativen Blumengebinden Tipps und Tricks zur Entspannung des Afters für den erfolgreichen Analverkehr ans Herz legen, damit es so laufen kann wie in den Pornofilmen, diese Einschätzung überlasse ich meinen werten Leserinnen und Lesern gerne selbst.

(Fortsetzung folgt)

ALZHEIMER & CO. // Jonathan Franzen – My Father’s Brain (2001)

WIN_20150106_100527My Father’s Brain“ (2001) ist der erste von 14 Essays in der Aufsatzsammlung „How to Be Alone“ (2002) des Amerikaners Jonathan Franzen.

Das verbindende Element der Essays, so schreibt er in seinem Vorwort, sei das Problem, in einer lärmenden, oberflächlichen und permanent die Aufmerksamkeit zerstreuenden Massenkultur, die eigene Individualität und Komplexität zu bewahren. Es geht also um die Frage, wie man es noch schaffen könne, alleine und bei sich zu bleiben, anders zu sein als das, was als „die Norm“ betrachtet werde.

Ein Bezug zu den Erfahrungen mit seinem an Alzheimer erkrankten Vater Earl scheint zunächst nicht unbedingt naheliegend. Er kristallisiert sich aber während der Lektüre langsam heraus. Kämpft das Individuum in einer verflachten Massenkultur um seine Souveränität und Würde, so verlagert sich dieser Kampf des Individuums gegen den fortsschreitenden Verlust der erwachsenen Identität in „My Father’s Brain“ in den Körper des Alzheimerkranken.

Durch die Krankheit regrediert der Geist des Kranken nach und nach auf das Niveau eines Kleinkindes oder Babys. Der schleichende Prozess kann bislang nicht aufgehalten werden. Dennoch gibt es Einzelne, wie Franzens Vater, die sich nicht einfach hängen lassen wollen. Er führt, für sein Umfeld zunächst nicht sichtbar, Kämpfe gegen die Desintegration der geistigen Funktionen. In diesem Kampf gegen den körperlichen Verfall zeige sich, so Jonathan Franzen, seine persönliche Charakterstärke und die immer unabhängig von biologischen Verschleisserescheinungen durchschimmernde Menschlichkeit.

Mental health is a matter of discipline

so die Meinung seines Vaters.

Jonathan Franzen (2010) // von Lesekreis (Eigenes Werk) [CC0], via Wikimedia Commons

Franzen erkennt das Aufbegehren des Vaters gegen das

Vergessen und die Regression erst, als er nach dessen Tod Briefe von ihm findet, die er nicht abgeschickt hat, wie z.B. an seinen 6-jährigen Enkel Nick. Geschrieben hat er sie in einer Phase, als er sich bereits in Behandlung befand. Earl erinnert seinen Enkel mehrfach an die Wichtigkeit des Schreibens und entschuldigt sich dafür, dass er es selbst nicht mehr richtig hinbekomme.

Für Franzen drücken die Briefe das Verantwortungsgefühl seines Vaters aus, den Wunsch sich mithilfe des Schreibens doch noch zusammenreißen zu können, seine Identität und das, was ihn ausmacht für die anderen zu bewahren.

Durch den konzentrierten Akt des Schreibens gelingt es dem Individuum sich gegen die Auflösungstendenzen des Geistes sowie die Reizüberflutung einer marktschreierischen Massenkultur zur Wehr zu setzen. Im übertragenen Sinne ist das Schreiben eine Auflehnung gegen die Reduzierung des Humanen auf die infantile, konsumgesteuerte Bedürfnisbefriedigung im Zeitalter des Mega-Materialismus, der damit den kleinsten gemeinsamen Nenner einer möglichst großen Zielgruppe bedient.

Unlike many of the female inmates [of his nursing home], who at one moment were wailing like babies and at the next moment glowing with pleasure while someone fed them ice cream, I never saw my father cry, and the pleasure he took from ice cream never ceased to look like an adult’s.

Das Pflegeheim wird hier zu einem Zerrspiegel unserer infantil-regredierten Konsumgesellschaft.

In seinem Essay zeichnet Franzen den trotz seiner Anstrengungen nicht aufzuhaltenden geistigen und körperlichen Verfall seines Vaters nach, die Herausforderungen für die Angehörigen und skizziert die damals aktuellen Forschungsergebnisse zur Alzheimer-Krankheit. Die Tragik der Krankheit wird humorvoll durch die Schilderungen der Eheprobleme seiner Eltern und ihrer Schrullen gebrochen, eine Art „comic relief“, für den man dankbar ist. Franzens Pochen darauf, dass das Gehirn eben nicht nur ein „lump of meat“ sei, dass abseits aller medizinischen Diagnosen und biologisch-chemischer Prozesse das Menschliche immer hinter dem Materiellen aufleuchtet, gibt dem in wohltuend klarer Sprache geschriebenen Essay eine weitere, tiefere Dimension, der ihn von anderen Berichten zu diesem Thema untersscheidet.