IT POPS // Storage War$ (seit 2010)

Storage War$, eine US-amerikanische Reality-TV-Show, habe ich nicht gesucht. Sie hat mich quasi gefunden; inmitten einer Müllhalde an vornehmlich billigen Sex- & Horrorfilmen des Video-on-Demand-Anbieters ma*dome. Aus mehreren Gründen werde ich diesen Service bald wieder abbestellen müssen. Die Arthouse-Filme, die ich gesucht habe, konnte ich dort leider nicht finden.

In Storage Wars wird der Topos der Schatz- oder Gralssuche in die Mietlager der amerikanischen Großstädte verlegt. Hier werden in regelmäßigen Abständen sogenannte Self Storages von den Vermietern aufgelöst, sobald diese drei Monate keine Mietzahlung mehr erhalten haben. An den Auktionen nehmen mehr oder weniger professionelle Käufer, u.a. Antiquitätenhändler aber auch zwielichtige Gestalten, teil. Sie alle sind auf der Suche nach der versteckten Perle im Müll, dem wertvollen Überraschungsfund, dem seltenen Sammlerstück, um damit möglichst viel Kohle zu machen. Dabei gibt es einige Hürden zu meistern und die Konkurrenz trick- und kenntnisreich auszubooten. Es ist der Typus des prahlerischen Wise-Ass, der sich dort im Kreise anderer Geier tummelt.

Die einzelnen Episoden (20-30 Min.) folgen einem festen Schema:

  1. Der Zuschauer erfährt zu Beginn, wo die Auktion stattfindet. Die Käufer sind auf dem Weg dorthin. Sie stellen ihre Strategie vor.
  2. Am Lager angekommen werden die Regeln der Auktion mitgeteilt, der Lagerraum wird aufgebrochen, dann haben alle interessierten Käufer 5 Minuten Zeit sich ein Bild zu machen. Anfassen oder Reingehen ist verboten.
  3. Versteigerung.
  4. Der Gewinner kehrt zum Lager zurück und inspiziert seinen Fang. Der Wert der einzelnen Objekte wird geschätzt. Eine Soll/Haben-Anzeige berechnet, ob die Käufer einen Gewinn oder Verlust erwirtschaftet haben. Seltene Objekte müssen von Experten später begutachtet und geschätzt werden.
  5. Besuch bei den Experten. Man lernt mehr über die Objekte und deren Wert.
  6. Vergleich der Ergebnisse aller Käufer und Mitteilung des Siegers.

Ich bemerke an mir inzwischen erste Abhängigkeitssymptome, ich geb’s zu. Vermutlich ist es der Überraschungs-Ei-Effekt, der bei mir zieht. Neue Chance, neues Glück. Gleichzeitig lernt man was dabei. Käufer Joe P., selbsternannter King of the bidders, ersteigert mehrere Kunstdrucke und Gemälde in einem Lager in New York. Ein Kunsthändler bestätigt einen seltenen Chen Shaoxiong im Wert von mehreren Tausend Dollar. Die Fotomontagen sind schön anzusehen. Hier kann man einen Blick darauf werfen:

Das ständige Insistieren auf den materiellen Wert der Objekte stört allerdings etwas. Manche Kritiker sehen hier aber den Grund für den Erfolg der Serie. Im Zeitalter wirtschaftlicher Rezession in den USA, „it brings back a more primitive sort of capitalism.“ Es ist ein Kapitalismus, den man noch verstehen kann. Geld und Ware. Soll und Haben. Gewinner und Verlierer bleiben für alle sichtbar. Die Serie spiegelt aber auch den Wunsch wider, in einer kränkelnden Wirtschaft irgendwie zu überleben. Glücksspieler und Goldgräber haben wieder Konjunktur.

Die Charaktere, allesamt überzeichnete Stereotype, sind größtenteils unattraktive und einfältige Figuren. Es geht um Geld und Anerkennung. Trotzdem wirkt diese austauschbare Auswahl an amerikanischem White Trash dann irgendwie doch wieder sympathisch, denn sie bleiben immer fair, halten sich an die klaren Regeln, und geben nicht auf. Das verdient unseren Respekt.

Was überhaupt keine Erwähnung in der Serie findet, ist die Geschichte um die Mieter der Lagerräume. Was ist mit ihnen passiert? Sind sie gestorben? Sind es Kriminelle? Haben sie es einfach vergessen? Wer sind/waren die Menschen, deren Hab und Gut unter den Hammer kommt? Dazu sollte es eine eigene TV-Serie geben, finde ich.

Leider hat maxd*me nur den New Yorker Spin-Off mit sechs Episoden der ersten Staffel im Angebot. Die ursprüngliche Serie spielt in Kalifornien und ist inzwischen in der 6. Staffel. Nach dem Erfolg gab es einen ersten Spin-Off unter dem Titel Storage Wars: Texas, es folgte Storage Wars: New York sowie Storage Wars: Canada. Einzelne Charaktere erhielten ihre eigenen Serien, zu nennen ist hier Barry’d Treasure über den Lagerraumkäufer Barry Weiss, der durch Amerika reist, um seltene Antiquitäten und Sammlerstücke zu finden sowie Brandi & Jarrod: Married to the Job, zwei aus Storage Wars bekannte Gesichter, deren partnerschaftliche Suche nach weiteren Fundstücken im einzelnen gezeigt wird.

Ich muss zugeben, dass sich bei mir trotz der anfänglichen Begeisterung erste Ermüdungserscheinungen zeigen. Schon in der zweiten Folge hegte ich – wie sich herausstellte – berechtigte Zweifel an der Authentizität der Serie. Trotzdem hat mir das New Yorker Lokalkolorit gefallen, der Stress der Großstadt, die siffigen Ramschläden, schicke Boutiquen, Kunsthändler, Tanz- und Schauspielschulen, Restaurants and Delis, etc. Neugierig auf die texanische, kalifornische und kanadische Serie bin ich dann doch geworden. Mal schauen, ob ich sie irgendwo finden kann.

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